Dieser Artikel wurde ursprünglich veröffentlicht in Einheit & Kampf, Nr. 52, Juli 2026.
Die Jugend weltweit durchlebt gerade eine der schwierigsten und zugleich entscheidendsten Phasen der Geschichte. Man spricht von ihr, wenn es gerade passt, nutzt sie als Konsumenten aus, manipuliert sie mit leeren Phrasen über „Chancen“ und „Unternehmertum“, aber nur sehr selten hört man ihr und ihrer tiefen Wahrheit zu. Es gibt nicht die eine Jugend. Es gibt viele verschiedene, ungleiche, verwundete und rebellische Gruppen der Jugend.
Da sind die arbeitenden Jugendlichen, die die Last der prekären Lebensverhältnisse auf ihren Schultern tragen; die Studierende, die sich verschulden, um zu studieren, was eigentlich ein Recht sein sollte; die jungen Bauern, die von ihrem Land vertrieben wurden; die afro-stämmigen Jugendlichen, die unter strukturellem Rassismus leiden; die migrantischen Jugendlichen, die verfolgt werden, weil sie versuchen zu überleben; die Jugendlichen aus den Arbeitervierteln, umgeben von Gewalt und Arbeitslosigkeit; die LGBTIQ+-Jugendlichen, die nach wie vor der Diskriminierung durch konservativ geprägte Gesellschaften ausgesetzt sind.
Alle unterschiedlich, aber vereint durch denselben Ursprung: die Unterdrückung durch das kapitalistische System und den Imperialismus.
Der Jugend wird eine Lüge unter dem Deckmantel der Freiheit verkauft. Man sagt ihr, dass sie alles erreichen könne, dass es ausreiche, „an sich selbst zu glauben“. Doch hinter dieser Rhetorik verbirgt sich eine grausame Realität: Arbeitslosigkeit, die Privatisierung des Bildungswesens, unerschwingliche Lebenshaltungskosten, der ökologische Kollaps und staatliche Gewalt. Man drängt sie zur Migration und verurteilt sie anschließend dafür. Man spricht von Leistungsgesellschaft, verweigert ihnen aber die reale Möglichkeit, am Wettbewerb teilzunehmen. Man drängt ihnen das Unternehmertum als individuellen Ausweg auf, obwohl sie doch kollektive Gerechtigkeit brauchen.
Der Kapitalismus beutet nicht nur die Arbeitskraft der Jugend aus; er versucht, ihren Verstand, ihre Gefühle und ihre Träume zu kolonisieren. Die sozialen Netzwerke sind zu einem Schlachtfeld geworden, auf dem politische Gleichgültigkeit, grenzenloser Wettbewerb und der Kult um den leeren Erfolg gefördert werden. Doch parallel zu dieser Verwirrung keimt auch etwas anderes auf: ein neues Bewusstsein, das Bewusstsein derer, die entdecken, dass ihr vermeintliches „persönliches Versagen“ keine individuelle Schuld ist, sondern die logische Folge eines Systems, das Reichtum konzentriert und Elend verteilt.
In Lateinamerika und der Karibik tragen die jungen Menschen die Last einer Geschichte, die von Kolonialisierung, Abhängigkeit und ausländischer Einmischung geprägt ist. Wir sind Völker, die reich an Kultur, Ressourcen aller Art, Kreativität und Kraft sind, aber durch die Strukturen, die uns beherrschen, verarmt wurden. Und dennoch: Wenn die Völker „Es reicht!“ gesagt haben, standen die jungen Menschen immer an vorderster Front. In Chile, Kolumbien, Haiti, Puerto Rico, der Dominikanischen Republik, in Europa, Afrika und darüber hinaus… hat die Jugend gezeigt: Wenn sie rebelliert, zittern die Mächtigen.
Die revolutionäre Arbeit begleiten, ausbilden und organisieren
Arbeit mit der Jugend bedeutet nicht, sie zu „rekrutieren“ oder von einer Bühne aus zu ihnen zu sprechen. Es bedeutet, mit ihnen gemeinsam den Weg zu gehen. Es bedeutet, ihre Nöte, ihre Ängste, ihre Wut, aber auch ihre Hoffnung zu verstehen. Es bedeutet, Empörung in Bewusstsein und Bewusstsein in Organisation zu verwandeln. Die revolutionäre Arbeit muss vom Respekt vor ihren Lebensrealitäten und von der Verpflichtung ausgehen, sie in ihrem Prozess des politischen Erwachens zu begleiten.
Marxistisch-leninistische Organisationen tragen eine Verantwortung, die keine Pause zulässt: den Aufbau einer lebendigen, bildenden und umwälzenden Jugendpolitik. Wir dürfen den Marxismus nicht als Dogma präsentieren, sondern als Werkzeug, um die Welt zu verstehen und zu verändern. Jede Schule, jedes Viertel, jede Fabrik, jeder digitale Raum oder jeder Ort der Freizeit kann eine Zelle des Bewusstseins sein, wenn der politische Wille und die ideologische Klarheit vorhanden sind.
Der digitale Raum darf nicht ignoriert werden. Auch dort wird um die Macht gekämpft. Die Konzerne prägen das Denken, lenken Wünsche und zensieren Widerstand. Doch genau dieser Raum kann zu einer Festung werden, wenn wir ihn mit Inhalten, Kreativität und revolutionären Worten füllen. Es geht nicht darum, der Logik des Marktes zu folgen, sondern sie von innen heraus zu durchbrechen, mit kritischem Denken und organisiertem Handeln.
In der Dominikanischen Republik bezeugt die Geschichte: Kein revolutionärer Prozess war möglich ohne den Einfluss der Jugend. Während des Widerstands gegen die Trujillo-Diktatur, beim Volksaufstand im April 1965, bei den Kämpfen an den Universitäten, bei den Straßenprotesten gegen Korruption, immer war es die Jugend, die als Erste ihre Stimme erhob.
Heute stehen die neuen Generationen denselben Feinden mit anderen Gesichtern gegenüber: Hungerlöhne, Unterdrückung, Diskriminierung, digitale Ausgrenzung, kulturelle Ausbeutung. Doch inmitten all dessen blüht auch eine neue Generation auf: rebellisch, kritisch, im Bewusstsein, dass es nicht darum geht, sich in das System „zu integrieren“, sondern es von Grund auf zu verändern.
Auch heute noch injiziert derselbe Feind sein ideologisches Gift in besonderer Weise in Teile der Jugend, die er durch Prozesse systematischer Entfremdung zu manipulieren vermag. Deshalb stellt der Kampf der jugendlichen Massen zwischen dem Ideal der Revolution und des Sozialismus einerseits und der Bourgeoisie sowie allerlei reaktionären und neofaschistischen Optionen andererseits in der heutigen Zeit eine echte Herausforderung für die revolutionären Aktivisten und die kommunistische Partei dar.
Die Revolution wird mit der Jugend stattfinden oder gar nicht
Die Jugend ist nicht die Zukunft: Sie ist die Gegenwart, die atmet, die kämpft, die standhält.
Wir marxistisch-leninistischen Parteien müssen die breiten Massen der Arbeiter- und Volksjugend entschlossen und mutig dabei begleiten, revolutionäre Kräfte zu bündeln und Volksmacht von unten aufzubauen. Denn erst wenn sich die Jugend als Arbeiterklasse, als Volk, als politisches Subjekt erkennt, wird die Revolution kein Traum mehr sein, sondern Wirklichkeit werden.
Ohne die Jugend wird es keine nationale und soziale Befreiung geben.
Und es wird keine wirklich freie Jugend geben, solange der Kapitalismus weiterhin die Regeln der Welt diktiert.
Die Herausforderungen unserer Zeit sind gewaltig, aber klar: die verschiedenen Ausdrucksformen des Jungseins in eine kollektive, bewusste und organisierte Kraft zu verwandeln. Den Sozialismus nicht als ferne Utopie aufzubauen, sondern als dringende, menschliche und mögliche Notwendigkeit.
Denn die Revolution ist keine Erinnerung an die Vergangenheit. Sie ist eine lebendige Aufgabe der Gegenwart. Und die Jugend der Welt beginnt bereits, sie zu schreiben, mit jedem Akt der Rebellion, mit ihrer Kritik und ihrem Hinterfragen der kapitalistischen Unterdrückung und Herrschaft. Damit das enorme rebellische Potenzial, das in der arbeitenden, studierenden und großen Teilen der Jugend schlummert, tatsächlich im Sinne der nationalen Befreiung und der sozialen Revolution im Dienste des Sozialismus kanalisiert wird, ist die politische und ideologische Arbeit der kommunistischen Partei von grundlegender Bedeutung. Diese Arbeit schreitet voran oder gerät ins Stocken, je nach dem Fortschritt der revolutionären Propaganda unter den Jugendlichen. Das ist eine echte Herausforderung in diesen Zeiten, in denen es dringend notwendig ist, geeignete Kommunikationsformen zu entwickeln, die das Ideal des Sozialismus und den Kampf für den sozialen Wandel mit den Vorstellungen und Erwartungen an den Wandel verbinden, die junge Menschen seit jeher und zu allen Zeiten gehegt haben.
Das ist unsere Herausforderung als marxistisch-leninistische Parteien und Organisationen: die Arbeit, die wir in unseren jeweiligen Ländern unter den Jugendlichen leisten, besser zu gestalten und immer weiter zu stärken. Kreativität, Beharrlichkeit und Mut, um die Köpfe und Herzen breiter Massen der Jugend zu gewinnen, ihre Kämpfe und Forderungen zu fördern und ihnen eine Perspektive für den revolutionären Wandel der kapitalistischen Gesellschaft, für die nationale Befreiung und den Sozialismus – den einzigen wahren Wandel – zu vermitteln.
